Was passiert, wenn man ein Thema zerredet, bis es zerbricht? Wenn man ständig nur um das Thema herumredet und aufzählt, wie schlecht die Situation aussieht, wie viele Probleme es gibt und wie viele Nachteile? Dann sieht man irgendwann das Licht des Lösungsansatzes nicht mehr und versinkt in dunkler Verzweiflung, in einer apokalyptischen, zerstörerischen Haltung.
Die meisten Probleme haben auch Lösungen, nicht alle, aber die meisten. Man muss sie jedoch suchen, um sie zu finden. Lösungen entstehen nicht, indem man ständig nur das Problem anspricht. Sie kommen erst zum Vorschein, wenn man den Blickwinkel ein wenig verschiebt und die Sichtweise ändert. Nur weil ich ständig über meine Schmerzen klage, vergehen sie nicht.
Und genau das ist das Hauptproblem der Tourismusdebatte, einer Debatte, die sich zu einem Dilemma entwickelt hat. Verhärtete Fronten bauen Frust und Ärger auf und schaukeln sich gegenseitig hoch, ohne einen gemeinsamen Lösungsansatz anzustreben.
Dazu kommt, dass in dieser ganzen Debatte auf beiden Seiten – pro und contra – sehr einseitig und isoliert diskutiert wird. Beide Lager wollen größtenteils nicht wahrhaben, dass das Problem nicht für alle dasselbe ist. Nicht alle denken und fühlen gleich. Man redet aneinander vorbei, schließt sich in der eigenen Blase ein und bestärkt jeweils die eigene Sichtweise. Man sucht nicht nach einem objektiveren Blick auf die Dinge.
Nicht alle hassen den Tourismus.
Nicht alle lieben den Tourismus.
Viele liegen dazwischen.
Viele würden sich proaktive, lösungsorientierte Ansätze wünschen.
Alle haben das gleiche Ziel: ein gutes Leben für Südtirol.
Solange man die Dinge nicht differenzierter wahrnimmt und es vorzieht, im eigenen Saft zu schmoren, wird man nicht an Kompromissen arbeiten können – und dementsprechend auch keinen echten Lösungsweg finden. Denn erfolgreiche Lösungen sind (fast) immer Kompromisslösungen. Davon bin ich fest überzeugt.

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